Kleine Denkmäler - Sonderausstellung im Beethoven-Haus beleuchtet Beethoven-Darstellungen in der Medaillenkunst - Ausstellung endet am 30.Juni

(PM). Im Beethoven-Haus öffnet sich zur Zeit ein Blick in eine ganz besondere Schatzkammer: Zum ersten Mal wird dort eine Auswahl aus der großen Zahl der bekannten Medaillen und Plaketten auf Beethoven gezeigt.


Anders als Münzen sind Medaillen kein Zahlungsmittel. Ihr Wert liegt vielmehr in ihrer künstlerischen Gestaltung, die sie zu Miniaturdenkmälern werden lässt. In dieser speziellen Form der Kleinreliefs haben sich bis in die jüngste Gegenwart zahlreiche Künstler auch mit Beethoven beschäftigt. Die Sonderausstellung, die noch bis zum 30. Juni 2022 gezeigt wird, stellt diese besonderen Dokumente einer Erinnerungskultur ausgewählten Darstellungen des Komponisten gegenüber, die als Inspirationsquelle für die Medailleure dienten. Zudem wird ein Einblick in den reichhaltigen Bereich der Gedenkmünzen geboten, die nicht nur in Deutschland, sondern überall auf der Welt zur Ehre Beethovens geprägt wurden. Gezeigt werden hauptsächlich Exponate aus dem eigenen Bestand des Beethoven-Hauses, aus der Privatsammlung Offermann in Bergisch Gladbach-Bensberg und aus der Biblioteca Beethoveniana, Collezione Carrino in Muggia, Italien. Die Ausstellung wurde von der Gielen-Leyendecker-Stiftung ermöglicht.

 

Medaillen und Münzen, die an bedeutende Persönlichkeiten erinnern, sind in Europa seit der Antike beliebt. Bis ins 18. und frühe 19. Jahrhundert hinein wurden auf diesen Kleinreliefs vor allem Herrscher und Fürsten abgebildet, die mit der Ausgabe einer Münze ihren Machtanspruch demonstrierten oder durch die Verleihung einer Medaille Verdienste um ihren Staat honorierten. "Mit dem wirtschaftlichen und politischen Aufstieg des Bürgertums im Verlauf des 19. Jahrhunderts wurden aber auch vermehrt Gedenkmedaillen auf geschätzte
Künstler und Wissenschaftler geschaffen, die als eine Art kleine Denkmäler der Erinnerungspflege und der privaten Belehrung dienen sollten und daher bei
m Bildungsbürgertum besonders geschätzt wurden", erläutert Silke Bettermann, die die Ausstellung als Kunsthistorikerin am Beethoven-Haus kuratiert hat. Beethoven, der bereits im frühen 19. Jahrhundert als einer der größten Stars im Bereich der Musik galt, war für zahlreiche bildende Künstler schon zu seinen Lebzeiten außerordentlich interessant. So wurde er immer wieder von jungen Malern und Bildhauern darum gebeten, ihnen für die Gestaltung seines Portraits als Gemälde, Büste oder auch als Medaille Modell zu sitzen. Nach seinem Tod nahm das Interesse an Erinnerungsstücken schnell zu, und damit wurden auch Beethoven-Medaillen rasch beliebt. Schon im Todesjahr des Komponisten 1827 wurden in Wien und Paris die ersten Prägungen mit seinem Bild hergestellt. Seitdem entstand bis in die jüngste Gegenwart hinein eine kaum überschaubare Menge an Medaillen, Plaketten und Gedenkmünzen, die ihn ehren. Hier finden sich nicht nur neue Lesarten bekannter Darstellungen, sondern auch Um- und Neudeutungen, die Perspektivwechsel anbieten. Eines der Highlights in der Sonderausstellung ist eine Medaille, die nach einem Beethoven-Portrait von Salvador Dalí gestaltet wurde. Die in dessen Werk „Beethovens Kopf“ von 1973 außerordentlich zerrissenen Gesichtszüge des Komponisten werden im Relief der Medaille wieder stärker zusammengefasst.

 

"Der Eindruck züngelnder Flammen, der dadurch entsteht, soll auf die brennende Inspiration des Genies anspielen", so Silke Bettermann. Besondere Beachtung verdienen aber nicht nur die Vorderseiten der Medaillen, die meist eine frei aus der Phantasie der Medailleure geschaffene Darstellung - in der Regel ein Portrait Beethovens - zeigen, sondern auch die Rückseiten. Hier sind häufig Wappen, Symbole, musikalische Motive oder Allegorien zu sehen.

 

Beliebt sind auch Inschriften, die auf den besonderen Anlass der Ausgabe einer Medaille oder Plakette hinweisen. Denn häufig wurden solche Kleinreliefs zu speziellen Gelegenheiten wie Geburtstags- oder Todestags-Jubiläen oder zu besonderen Festen gefertigt. Zum  250. Geburtstag etwa beteiligten sich gleich zehn Medailleure an der Edition 2020. Diese Miniaturkunstwerke werden vollständig in der Ausstellung gezeigt.

 

Neben Medaillen sind seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts auch zahlreiche Gedenkmünzen auf Beethoven entstanden. Obwohl beide Gruppen einander in Material und Größe sehr ähneln, unterscheiden sie sich doch in ihrer Zweckbestimmung eindeutig. Denn anders als Medaillen werden Gedenkmünzen von Staaten bzw. Regierungen als offizielles Zahlungsmittel ediert und weisen dementsprechend eine Wertseite auf, durch die sie als solches erkennbar sind.

 

Katalog zur Ausstellung


Silke Bettermann, Kleine Denkmäler für einen großen Komponisten. Beethoven in der
Medaillenkunst; 64 Seiten, 135 Abbildungen, Verlag Beethoven-Haus Bonn; 12 EUR
Der Katalog ist im Shop des Beethoven-Hauses und im Buchhandel erhältlich.


Öffnungszeiten des Museums
Mittwoch bis Montag - 10 bis 18 Uhr