"In der Ukraine werden die Freiheit und die Werte des Westens verteidigt" - General a.D. Egon Ramms bei der LESE

Zu einem absoluten Höhepunkt hatte jetzt die Lese- und Erholungs – Gesellschaft von 1778, der älteste Bonner Bürgerverein, eingeladen. General a.D. Egon Ramms sprach zu dem Thema

 

Krieg! ... – und Frieden?

Der Ukrainekrieg – Entwicklung, aktuelle Lage und Perspektiven“.

 

Dem Anlass entsprechend konnte der Vorsitzende, Dr.Emil Schwippert über 80 Gäste, darunter auch Nichtmitglieder, im großen Saal des Hauses der evangelischen Kirche in Bonn begrüßen. Und diese Gäste sollten ihr Kommen nicht bereuen.

Ramms, zuletzt Befehlshaber Allied Joint Force Command der NATO in Brunssum präsentierte seinem gespannten Publikum zunächst einen mit zahlreichen Lagekarten illustrierten Überblick über die geographische Lage der Ukraine, die markant vom Norden nach Süden durch den breiten Strom des Dnjpr mit großen anliegenden Sumpfgebieten durchflossen wird. Flächenmäßig ist die Ukraine hinter Russland das größte Land Europas. Die Einwohnerzahl, die bereits vor Beginn des jetzigen Krieges durch Auswanderung von 55 auf 45 Millionen zurückgegangen war, beläuft sich derzeit nur noch auf rund 40 Millionen.

 

Der anfängliche Kriegsverlauf ist durch rasche russische Eroberungen an der Schwarzmeerküste gekennzeichnet. Auf diese kompakten Angriffe im Süden ihres Landes war die ukrainische Armee nicht vorbereitet; sie hatte mit Stößen aus dem Norden und Osten gerechnet. Nach der gescheiterten Blitzeroberung der Hauptstadt Kiew ist die russische Armee gleichwohl nicht zurückgeschlagen, sondern zur Verstärkung der östlich operierenden Einsatzkräfte umgruppiert worden. Danach seien nennenswerte Geländegewinne nicht mehr zu verzeichnen gewesen. Die mehrfach seitens der Ukrainer angekündigte Gegenoffensive habe ebenfalls bisher nur geringen Erfolg gehabt.

 

Mit einigen Luftaufnahmen dokumentierte der General den Raketenangriff auf einen Militärstützpunkt auf der Krim, bei dem mehrere Gebäude und Flugzeuge zerstört worden sind. Die durch die Einschläge entstandenen Kraterformen deuteten zweifelsfrei auf einen Angriff aus nordöstlicher Richtung – also von Seiten der Ukraine – hin. Ob die Ukraine dazu durch eine Waffe aus eigener Produktion oder eine US-Lieferung im Stande gewesen sei, müsse der Spekulation überlassen werden.

 

Mit einer baldigen Beendigung des Krieges sei nicht zu rechnen; ein langanhaltender Stellungskrieg sei wahrscheinlicher. Mit ihrer besseren Kampfmoral und Logistik sowie der Aufklärungshilfe insbesondere seitensder USA müsse die Ukraine die erhebliche waffentechnische Überlegenheit der russischen Armee auszugleichen versuchen.

 

Abschließend legte Ramms großen Wert auf die Feststellung, dass „in der Ukraine die Freiheit und die Werte des Westens verteidigt würden“. Deutschland sei daher aufgerufen, das Land auch durch die Lieferung schwerer Waffen zu unterstützen.

 

In der anschließenden lebhaften Diskussion bezeichnete er die bisherige waffentechnische Unterstützung durch die Bundeswehr als zu schleppend. Er lobte ausdrücklich die Haltung der deutschen Außenministerin und bedauerte die Äußerung eines amtierenden deutschen Ministerpräsidenten, der für einen sofortigen Waffenstillstand mit Friedensverhandlungen plädiert habe. Das sei Wasser auf die Mühlen Putins.

 

Das Publikum dankte dem Referenten für seine aufschlussreichen Ausführungen und präzise Stellungnahme mit langem Applaus, bevor Emil Schwippert die Gäste noch zu einem Glas Wein oder auch Wasser ins Foyer einlud, wo der lebhafte Gedankenaustausch noch eine geraume Weile fortgeführt wurde. (E.S./de)

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