Pirandello in Bonn - Pirandellotisch auf den Spuren des Namenspatrons

(e.B.)"Sechs Personen suchen einen Autor" - dieses Theaterstück von Luigi Pirandello, dem Literaturnobelpreisträger, der einige Zeit als Student in Bonn lebte, gab den Impuls dafür, den im Jahre 2004 von sechs Lesemitgliedern gegründeten „Tisch“ nach ihm zu benennen. Bei dem monatlichen Treffen der Mitglieder des Pirandello-Tisches - darunter drei der Gründungsmitglieder - wurde kürzlich das seit der Gründung geführte und gepflegte Gästebuch des Tisches herumgereicht und fand große Beachtung. Gleichzeitig konnte Lese-Freund Dr. Arnold Maurer gewonnen werden, bei diesem Treffen einen Vortrag über Luigi Pirandellos Bonner Zeit zu halten.

 

Von 1889 bis 1891 studierte der Sizilianer Luigi Pirandello (1867 – 1936) an der Universität Bonn bei Wendelin Foerster in der Romanistik. Vor dem Hintergrund seiner Briefe aus der Bonner Zeit („Lettere da Bonn“, 1984 erschienen) vermittelte Maurer ein lebendiges Bild davon, wie Pirandello die Stadt und die sie umgebende Landschaft ebenso wie seine vielfältigen sozialen Beziehungen - vom Mosaiken-Leger (dem Italiener Giovanni Sambo) aus der Kuppel des Bonner Münsters über Kommilitonen bis hin zu den jungen Damen der Stadt, die sich angeblich auf der Straße an junge Männer wenden, um abends sicher nach Hause geleitet zu werden, erlebte. Die Beziehung des jungen Studenten zur Geliebten Jenny Schulz-Lander fand ebenso Beachtung wie der Akademische Neuphilologische Verein, eine Art Burschenschaft, in der Pirandello Mitglied war.

 

Nicht alles, was Pirandello nach Hause berichtete, konnte die Familie überprüfen, nicht selten zeigte der kommende Romancier und Dramatiker (Nobelpreis für Literatur 1934) einen dichterischen Umgang mit der Realität. Dabei verzichtete er aber nicht darauf, seinen Landsleuten einen Spiegel vorzuhalten und die freiere Erziehung (der Mädchen) nördlich der Alpen zu loben.

 

Im Jahr 1925, getragen von einer regelrechten „Pirandello-Welle“ an deutschsprachigen Theatern, kehrte der Dichter mit seiner Schauspieltruppe nochmals nach Bonn zurück.

 

Die „Pirandellos“ dankten mit großem Beifall. Hatten sie doch weitere interessante Aspekte über das Leben ihres Namenspatrons erfahren.