Die Lese- und Erholungsgesellschaft Bonn
und der Mittwochstisch
trauern um
Staatssekretär a.D.
Prof. Dr. Lothar Rühl,
der am 14. Dezember 2025 nach längerer Krankheit kurz vor Vollendung seines 99. Lebensjahres verstorben ist.
Bis zuletzt war Lothar Rühl unserer Gesellschaft eng verbunden. Er trat der LESE im Jahr 1998 bei und begründete im Jahr darauf mit einigen Gleichgesinnten den Mittwochstisch, an dem er bis fast zuletzt teilnahm.
Er hat mit seiner reichen beruflichen Erfahrung als Journalist, Staatssekretär und Wissenschaftler den Diskussionen in der LESE wertvolle Impulse gegeben. Als ausgewiesener geopolitischer Analytiker wurde seine Expertise in Sicherheitsfragen national und international sehr geschätzt. Dies hat ihm zahlreiche Würdigungen zuteilwerden lassen. Als exzellenter Redner hat er die Mitglieder und Gäste der LESE mit seinen scharfsinnigen Vorträgen begeistert, z.B. am Mittwochstisch zum Thema „Moskau, Drittes Rom“ über das im 16. Jahrhundert entwickelte Selbstverständnis der Russen als Bastion des christlichen Glaubens oder vor der gesamten LESE z.B. zum Thema „1813 – ein europäisches Schicksalsjahr“ anlässlich des 200. Jahrestages der Völkerschlacht bei Leipzig.
Der gebürtige Kölner Lothar Rühl studierte Rechts- und Staatswissenschaften sowie Geschichte an der Universität Bonn. Mit 22 Jahren wurde er Korrespondent der internationalen Nachrichtenagentur Agence France-Presse (AFP) in Deutschland in deren Bonner Büro. Ab 1955 setzte er sein Studium am Institut d’Etudes Politiques de Paris fort. Von 1969 bis 1973 war er stellvertretender Chefredakteur der „Welt“. Weitere berufliche Stationen führten ihn nach Frankfurt zum Hessischen Rundfunk sowie als Sonderkorrespondent für das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF) nach Brüssel. Als militärpolitischer Korrespondent arbeitete er für „Die Zeit“.
In der Endphase der sozial-liberalen Koalition wurde er auf Vorschlag der F.D.P. stellvertretender Regierungssprecher und leitender Beamter im Presse- und Informationsamt der Bundesregierung. 1982 bis 1989 war er beamteter Staatssekretär im Bundesministerium der Verteidigung in Bonn und enger Vertrauter von Bundesverteidigungsminister Manfred Wörner.
Mit 44 Jahren promovierte Lothar Rühl bei Alfred Grosser an der Sorbonne in Paris über französische Militärpolitik, habilitierte sich mit 58 Jahren am Forschungsinstitut für Politische Wissenschaft und Europäische Fragen an der Universität zu Köln und wurde in seinen 60ern ebendort außerordentlicher Professor für Politikwissenschaft. Er war Vorstandsmitglied der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) und des Stockholmer Internationalen Instituts für Friedensforschung (SIPRI).
Nach dem Tod seiner Frau im Jahr 2021 wechselte Lothar Rühl ins betreute Wohnen am evangelischen Johanniterhaus in Bonn-Plittersdorf.
Wir werden Lothar Rühl in ehrendem Andenken behalten. Unser Mitgefühl gilt den Hinterbliebenen.
Für den Vorstand Für den Mittwochstisch
Dr. Klaus Meyer-Teschendorf Dr. Jürgen Nolte