Ein Thema von weltgeschichtlicher Tragweite stand kürzlich im Mittelpunkt beim monatlichen Treffen des Pirandellotisches der Lese- und Erholungsgesellschaft Bonn. Der Tischvorsitzende Dr. Volker Busse konnte hierzu zahlreiche Mitglieder und Freunde begrüßen, die gespannt dem Vortrag des früheren Vorsitzenden der Gesellschaft, Johann Hahlen, folgten.
Eine Spurensuche in den Wurzeln Europas
In seinen einleitenden Worten schlug Johann Hahlen eine Brücke von der Antike zur Gegenwart. Angesichts sinkender Mitgliederzahlen in den christlichen Kirchen stellte er die Frage nach der bleibenden Bedeutung des Monotheismus. Dieser sei nach wie vor als eine der wesentlichen Wurzeln der Geschichte des Westens zu betrachten. Hahlen ordnete das Christentum dabei als einen besonderen, an eine Person gebundenen Monotheismus ein, der sich im 4. Jahrhundert zur maßgeblichen Religion des Römischen Reiches entwickelte.
Kaiser Konstantin und die politische Einheit
Ein Schwerpunkt des Vortrags bildete die Ära Kaiser Konstantins des Großen (306–337 n. Chr.). Hahlen beleuchtete die „konstantinische Wende“ und das geschickte politische Kalkül des Kaisers: Konstantin sah im christlichen Glauben einen notwendigen Garanten für die Einheit und Stabilität des zerbrechenden Imperiums. Um religiöse Streitigkeiten, die den inneren Frieden gefährdeten, endgültig beizulegen, berief der Kaiser im Jahr 325 n. Chr. das Konzil nach Nizäa ein.
Der „Arianische Streit“: Wer war Jesus Christus?
In Nizäa rangen rund 318 Bischöfe um die zentrale theologische Frage der Christenheit: Wer ist Jesus Christus? Im Zentrum stand der sogenannte „Arianische Streit“. Hierbei standen sich die Auffassung des Presbyters Arius – der Jesus als geschaffenes, Gott untergeordnetes Wesen sah – und die Lehre von der Wesensgleichheit Jesu mit Gottvater gegenüber. Johann Hahlen erläuterte anschaulich, wie das Konzil schließlich die Weichen für die Entwicklung der Reichskirche stellte und jene dogmatischen Grundlagen schuf, die das Christentum in seinen Bekenntnissen bis heute prägen.
Ein Erbe mit aktueller Bedeutung
Der Vortrag bot den Anwesenden nicht nur einen fundierten historischen Überblick, sondern regte auch zu einer lebhaften Diskussion an. Es wurde deutlich, wie sehr diese weit zurückliegenden Ereignisse unser heutiges Verständnis von Kultur, Gesellschaft und dem Verhältnis von Staat und Religion weiterhin beeinflussen. Einmal mehr zeigte sich, dass der Blick in die Geschichte unverzichtbar ist, um die Gegenwart besser zu verstehen. (e.B./Ge/de)
