.Arnulf Linden, Militärseelsorger a.D., blickte kürzlich am Pirandello-Tisch vor rund 25 Zuhörern auf seine zwölf Dienstjahre (1991–2003) bei der Bundeswehr zurück. Ob als „Bibelhusar“, „Jenseitsmechaniker“ oder „Sündenabwehrkanone“ – der Jargon der Soldaten für ihre Seelsorger ist reich an Humoristik.
Linden wechselte 1991 freiwillig aus dem Gemeindepfarramt in die Spezialseelsorge am Luftwaffen-Standort Köln-Wahn mit rund 4.800 Soldaten. Sein Einstieg fiel in eine friedensethisch hochbrisante Phase nach der Friedensbewegung der 1980er Jahre und dem 2. Golfkrieg. Der Alltag verlangte Orientierung im bürokratischen Dickicht, das Linden mit feinem Humor aufspießte. Er verstand sich als verbindender „Stopfen“ zwischen militärischer und ziviler Welt. Neben der Beratung und Gottesdiensten bildete der „Lebenskundliche Unterricht“ einen Schwerpunkt, in dem Fragen zu Gewissen, Gehorsam, Menschenrechten und Friedensethik behandelt wurden.
Besonders gefordert war die Seelsorge bei Tragödien wie dem Flugzeugabsturz einer Tupolew 1997 vor Namibia, bei dem Linden Angehörige intensiv betreute. Angesichts der schwindenden kirchlichen Bindung betonte er die Bedeutung psychologischer Zusatzqualifikationen. Auch bei Auslandseinsätzen in Bosnien oder Afghanistan intensivierte sich die Arbeit; die Feldgottesdienste verzeichneten hohe Beteiligungsquoten als geschätzte Unterbrechung des Lageralltags. Zum Ausklang ordnete Linden verschiedenen Waffengattungen augenzwinkernd Bibelstellen zu – etwa Lukas 12,49 für die Artillerie („Ich bin gekommen, Feuer auf die Erde zu werfen...“).
Sein Fazit: Militärseelsorge ist weder Maskottchen noch Truppenbelustigung, sondern ein Ort der Besinnung und des menschlichen Beistands. Das Publikum dankte dem Referenten für den spannenden Abend mit anhaltendem Beifall. (e,B./de)



