(M)ein Leben am Rande der Politik: Manfred H. Obländer zu Gast beim Pirandellotisch

 

 

 

 

Es war ein Abend, der die Zuhörer tief in die Brennpunkte der deutschen und internationalen Geschichte führte. Unter der Leitung seines Vorsitzenden Volker Busse empfing der Pirandellotisch kürzlich Manfred H. Obländer, der über sein Wirken und seine Erinnerungen unter dem bescheidenen Titel „(M)ein Leben am Rande der Politik“ referierte. Doch wie der Abend eindrucksvoll zeigte, war dieser „Rand“ in Wahrheit oft das Epizentrum weltpolitischer Erschütterungen.

Im Auge des Sturms: Somalia und die „Landshut“-Geiselnahme

Das Herzstück seines Vortrags bildeten die erschütternden und zugleich faszinierenden Schilderungen aus Somalia. Manfred H. Obländer nahm die zahlreich erschienenen Mitglieder und Freunde mit zurück in den Oktober 1977 – jene Schicksalstage des „Deutschen Herbstes“, als die entführte Lufthansa-Maschine „Landshut“ schließlich auf dem Flughafen von Mogadischu landete.

Als damaliger Pressereferent war Obländer nicht nur Zeuge, sondern Akteur in einer der angespanntesten Situationen der bundesdeutschen Geschichte. In seinem gleichnamigen Buch beschreibt er (insbesondere auf den Seiten 99 und 100), wie er die dramatische Befreiung durch die GSG 9 und die diplomatischen Drahtseilakte vor Ort erlebte. Seine Ausführungen machten deutlich, dass er in Mogadischu eben nicht am Rande stand, sondern im Zentrum der Kommunikation und Koordination in einem Land, das ihn seitdem nie mehr losgelassen hat. Dieses Engagement setzt er bis heute als Präsident der Deutsch-Somalischen Gesellschaft fort.

Informationspolitik im Wandel: Von der Wiedervereinigung bis zu Berthold Beitz

Doch Somalia war nur ein Höhepunkt eines Lebensweges, der stets dort verlief, wo Geschichte geschrieben wurde:

  • Die Wendezeit: So koordinierte Obländer im Bundespresseamt (BPA) nach dem Mauerfall den gewaltigen „Informationshunger“ der DDR-Bürger. Mit einem Budget von 10 Millionen DM wurden binnen kürzester Zeit 16 Infomobile und Millionen von Broschüren wie „Willkommen bei uns!“ auf den Weg gebracht, um den Menschen den Übergang in die soziale Marktwirtschaft zu erklären.
  • Begegnungen mit Giganten: Obländer berichtete zudem von seinem tief beeindruckenden Besuch bei Berthold Beitz. Der ehemalige Krupp-Bevollmächtigte und „Gerechte unter den Völkern“ gab ihm Einblicke in sein Leben und seine mutige Rettung jüdischer Arbeiter während des Krieges – eine Begegnung, die Obländers Bild des „Wirtschaftsbosses“ nachhaltig revidierte.

Ein Leben für das Ehrenamt und die Verständigung

Neben seiner Laufbahn im BMZ und im Presse- und Informationsamt der Bundesregierung prägt das humanitäre Engagement sein Profil:

  • Vorsitzender des Vereins Patenschaft Kinder Lateinamerikas (seit 1993).
  • Vizepräsident der Gesellschaft für Medizinische Hilfe in Frankfurt (seit 2002).

Fazit: Mittendrin statt nur dabei

Am Ende der spannenden Ausführungen kamen die Gäste des Pirandellotisches zu einem einhelligen Schluss: Der Titel seines Vortrags war britisches Understatement. Ob bei der dramatischen Geiselnahme in Mogadischu, im Sturm der Wiedervereinigung oder im Dialog mit den prägenden Köpfen der Bonner Republik – Manfred H. Obländer war niemals am Rande. Er war mittendrin im Zentrum der Politik. Ein faszinierender Abend, der die Verbindung von Zeitgeschichte und persönlichem Engagement lebendig werden ließ. (de/AI)