Nach der letzten Wanderung in den Naturschutzgebieten Rheinbacher Wald und Burgruine Tomburg traf sich die Wandergruppe nun am Forsthaus Lohrberg mit dem Vorsitzenden des „Verschönerungsvereins für das Siebengebirge“, Stephan Schütte. Die Lohrberg-Runde allein ist schon wegen ihrer Wegführung, des „Drei-Seen-Blicks“ und des Weitblicks über die Streuobstwiesen hinaus - in der Nähe der Waldwirtschaft Löwenburger Hof - eine Wanderung wert. Mit Stephan Schütte wurde dieses Erlebnis mit seinen kundigen, empathischen und umfassenden Erklärungen weit übertroffen.
Genannt wurde von ihm zunächst der notwendige Einsatz des Verschönerungsvereins für die Erhaltung eines naturnahen oder natürlichen Entwicklungsprozesses im Siebengebirge - und das seit mehr als 150 Jahren. Strittig waren damals die mögliche Ausbeutung von wertvollen Naturschätzen wie Basalt, Trachyt und Latit sowie Kohle (vornehmlich zum Ennert hin) auf der einen Seite und die Erhaltung der natürlichen Grundlagen zu Erholungszwecken auf der anderen Seite.
Der Naturschutzgedanke setzte sich letztlich mit dem Erwerb der Drachenfelsruine 1836, dem Verbot des Steinabbaus an Stenzelberg, Weilberg und Wolkenburg um 1870 und mit der Aufnahme des Siebengebirges in die ersten drei Naturschutzgebiete in Deutschland (neben Lüneburger Heide und Neandertal) im Zuge der Weimarer Verfassung durch.
Die vielen, nachdenkenswerten Details, die bei der Wanderung an elf Stationen genannt wurden, können an dieser Stelle nur beispielhaft aufgeführt werden. Sie umfassen auch den Wandel in der Auffassung, was einen Wald eigentlich „schön“ macht (muss es eine eingefasste Quelle oder sogar eine Allee sein?), die Aufgabe von Monokulturen und die Bemühungen, die auch bis zu GEN-Veränderungen reichen, um widerstandsfähigere Baumarten zu bekommen (Douglasien aus der Region Vancouver-Island, Buchen aus der Umgebung von Bordeaux, mediterrane Eichen).
Schütte erläuterte auch die Borken-Käfer-Plage nach dem heißen Sommer 2018 in den Fichtenbeständen, die als „Notreaktion“ anzusehende Produktion von Bucheckern und das Abwerfen trockener Blätter auch in diesem Jahr bei den Buchen und schließlich - in Höhe der Streuobstwiesen - die extensiven Bewirtschaftung der Fläche und das dortige Vorhalten von alten Obstbaum-Arten.
So gab es genug Gesprächsstoff, um den asphaltierten Wirtschaftsweg zurück zum Forsthaus nicht als eintönig anzusehen. Und auch später - beim gemeinsamen Abschlussessen - sprachen alle Teilnehmenden von einer sehr aufschlussreichen und lohnenden Führung durch das Siebengebirge.
Der Dank der Wanderer galt – wie immer – Karin und Ferdinand Schäfer für die Planung und Organisation dieser außergewöhnlichen Wanderung. (KS/de)

